Buchbesprechung – Der neunte Arm des Oktopus

Dieses Buch hatte ich eine ganze Zeit auf meiner „Möchte-Ich-Noch-Lesen“-Liste. Ein Roman Schrägstrich Thriller, der die Klimakrise im Fokus hat. Hoffentlich ein Buch, welches auch Menschen an die Klimakrise heranführt, die nicht gerne Sachbücher lesen oder kaum Zeit dafür haben. 

Ich habe “Der neunte Arm des Oktopus” im Oktober 2021 gelesen. Meine Meinung dazu schreibe ich erst jetzt auf, weil ich nicht dazu gekommen bin und es mir sehr schwerfällt, etwas dazu zu schreiben. Warum fällt es mir schwer, weil ich einiges an dem Buch nicht mochte. Negative Kritik muss ich in meinen Augen viel sorgfältiger aufschreiben als Positive. 

Klappentext

„Eine Klima-Allianz – Unsere letzte Chance?

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Doch da schlagen die Supermächte China, Russland und USA einen radikalen Weg ein: Sie formieren eine Klima-Allianz, um die Erde zu retten.

Die Forderungen der Allianz greifen dramatisch in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Den Gegner sind alle Mittel recht. Die Situation spitzt sich zu – und plötzlich liegt unser aller Schicksal in den Händen eines ängstlichen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.“

Meine Meinung

Das, was ich an dem Buch bemängeln muss, lässt sich in zwei grobe Kategorien fassen. Einmal geht es um die Art des Schreibens, den Aufbau der Kapitel, Beschreibung der Charaktere etc. und zum anderen um die Lösungsansätze zur Klimakrise. 

Die erste Kategorie nenne ich mal

handwerkliche Kritik

Die Story des Buches spielt zu verschiedenen Zeiten. Zu Beginn wird unsere jüngere Vergangenheit dargestellt. Welche durch den Klimawandel bedingten Katastrophen sind passiert. Dann wechseln die Zeiten zwischen der nahen Zukunft (2020-2025) und einer entfernteren Zukunft 2100. 

Durch diese Zeitwechsel war es für mich gerade zu Beginn sehr schwer, in die Geschichte hineinzukommen. Kaum hatte ich mich an einen Charakter gewöhnt, ging es zum Nächsten. Zwischendurch habe ich mich gefragt, wozu diente ein Kapitel, was sollte die Einführung der Person. Viele dieser Anfänge wurden glücklicherweise später zusammengeführt. Teilweise aber so spät, dass ich mich kaum noch an die Einführung dieser Person erinnern konnte. 

Das Jahr 2100 diente als Rückblick auf die thrillermäßigen Geschehnisse in den Jahren 2020-2025. Das es am Ende doch gut ausgegangen ist und wie sich die Welt dadurch zum Positiven entwickelt hat. Mir hätte hier auch ein entsprechender Epilog gereicht und dadurch ein paar Zeitsprünge erspart.

Die im Klappentext benannten Protagonisten der „ängstlicher Koch“ und die „unscheinbare Geheimagentin“ hatten weniger Präsenz in der Story, als mensch aufgrund der Ankündigung erwarten würde. Letztlich wirkte ihr Handeln auf mich auch sehr gewollt, damit die Story zum gewünschten Erfolg geführt wird. 

Auch habe ich nicht verstanden, was mit dem Titel gemeint ist. Oktopoden haben eigentlich nur acht Arme. Es gibt eine Szene im Jahr 2100 mit einem biometrischen zusätzlichen Arm. Aber die Bedeutung dahinter habe ich nicht erkannt. 

Zum Ende schreibt sich der Autor noch selber ins Buch und erzählt, welche „wichtigen“ Persönlichkeiten er so kennt. Es wirkt ein wenig eingebildet. Auch wenn er in der Danksagung alle erwähnt, die ihm beim Schreiben des Buches geholfen haben, habe ich mich gefragt, ob als Autoren nicht noch ein, zwei Namen mehr hätten genannt werden müssen.

Fazit handwerkliche Kritik

Mit ständig wechselnden Zeiten und/oder handelnden Personen habe ich auch in anderen Büchern meine Schwierigkeiten. Daher mag diesen Punkt jede*r anders bewerten, dennoch hat es mir das Lesevergnügen geschmälert und ich hatte gerne mehr über die angekündigten Protagonisten erfahren. 

Kritik Lösungsansätze Klimakrise

Ich fand die Idee, dass sich drei der weltweit größten Länder zusammenschließen und so die Auswirkungen der Klimakrise für alle Menschen reduzieren wollen, wirklich gut. Auch das dies zu Intrigen innerhalb dieser Länder führen kann, erscheint plausibel. Eine gute Basis für einen Thriller. 

Die Lösungsansätze der Klima-Allianz sind:

  • Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wird eingeschränkt.
  • Das Wachstum der Weltbevölkerung wird begrenzt.
  • Die tropischen Regenwälder werden geschützt.

Als vertrauensbildende Maßnahme soll zusätzlich die Zahl der Nuklearwaffen halbiert werden. 

Klingt im ersten Moment alles super. 

Der Thrilleranteil im Buch dreht sich später dann um die Rodung des Regenwaldes. Die fossilen Brennstoffe tauchen mehr im Ausblick 2100 auf. 

Was mich aber wirklich stört. Ist der Vorschlag, das Weltbevölkerungswachstum zu begrenzen und dies soll mit einer 1-Kind-Politik besonders in Indien und Afrika umgesetzt werden. Jedes Mal, wenn dies im Text auftauchte, habe ich mich sehr geärgert.

Natürlich mehr Menschen auf der Erde bedeuten auch mehr Menschen, die konsumieren können und dadurch Treibhausgase verursachen. Aber über 50% der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantworten die reichsten 10% der Menschheit. Gerade die Industriestaaten haben in den letzten Jahrzehnten einen großen Anteil an der Erderwärmung. Am meisten leidet darunter heute schon der sogenannte Globale Süden und arme Menschen. Und hier jetzt anzusetzen und eine 1-Kind-Politik als Lösung vorzuschlagen, ist wie ein Schlag ins Gesicht. Statt diesen Menschen dabei zu unterstützen, durch erneuerbare Energie und Zugang zur Bildung eine gute wirtschaftliche, ökologische Entwicklung zu ermöglichen, wird ihnen von den Industriestaaten diktiert, wie sie zu leben haben. 

Fazit Lösungsansätze Klimakrise

Mich stört dieser Lösungsvorschlag, das Wachstum der Weltbevölkerung zu begrenzen so sehr, dass es mir jedes Mal das Lesevergnügen genommen hat. Natürlich ist dies ein Roman und kein Sachbuch und Autor*innen in Romanen haben kreative Freiheiten. Aber dieses Buch wurde vermarktet, als könnte es die Ansichten über den Klimawandel bei den Lesenden verändern. Dann darf dort keine Lösung vorgeschlagen werden, die an Parolen erinnern. 

Fazit zu “Der neunte Arm des Oktopus”

Aufgrund der, in meinen Augen, handwerklichen Mängel zog sich das Buch beim Lesen. Ich habe es nur zu Ende gelesen, damit ich mir auch ein Gesamtbild machen kann. Hätte ja sein können, dass die Story irgendwann die Kurve kriegt. Leider nein. Für mich keine Leseempfehlung, besonders dann nicht, wenn es als positives Beispiel für einen Roman zum Klimawandel sein soll. 

Eckdaten

TitelDer neunte Arm des Oktupus
Autor*innenDirk Rossmann
VerlagLübbe – Link ecobookstore
Seiten400
ISBN978-3785727416
Preis20,00 € gebundenes Buch 11,00 € Taschenbuch 9,99 € eBook

Quelle

https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/klimawandel-ungleichheit-reichste-1-prozent-schaedigt-klima-doppelt-so-stark

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-04/ipcc-bericht-klimaschutz-1-5-grad


Hast du das Buch gelesen? Wie fandest du es? Kannst du gute Roman zum Thema Klimakrise empfehlen?

Empfohlene Beiträge

1 Kommentar

  1. Danke für den interessanten Blick auf das Buch! Ich habe es auch gelesen und kann die Kritik – insbesondere zum handwerklichen Teil – gut nachvollziehen. Ich empfehle eher das Nachgolgebuch zu lesen. Hat mir persönlich besser gefallen… 🙂


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

zwei + neun =