Warum überhaupt nachhaltig leben?

“Wieso soll ich mich Bemühen oder gar verzichten?”
“Nach mir die Sintflut.”
“Ich will mein Leben genießen.”
“Das kann ich mir nicht leisten.”
“Das könnte ich nicht.”
“Ich alleine ändere nichts.”

So oder so ähnlich sind manche Reaktionen, wenn ich erzähle, dass ich versuche ein nachhaltiges Leben zu führen. In vielem steckt die Sorge vor Veränderung, der Sorge vor noch mehr Ballast auf den Schultern und/oder dem Ohnmachtsgefühl angesichts einer weltweiten Krise. Mag sein, dass ich die Welt alleine nicht zu einem besseren Ort mache. Aber schaut euch um, im Supermarkt gibt es immer mehr vegane Produkte (ja leider in Plastik verpackt), ab Juli 2021 werde einige Plastik-Einweg-Artikel verboten und viele Unternehmen passen ihre Produkte an (Greenwashing ist natürlich problematisch). Es passiert bereits viel und das nur, weil Wenige in ihrem persönlichen Einflussbereich angefangen haben und versuchen nachhaltiger zu leben. Doch was bedeutet das eigentlich?

Was heißt Nachhaltigkeit eigentlich?

Nachhaltigkeit berührt in meinen Augen viele Punkte. Für mich bedeutet es die Langlebigkeit von Produkten oder Maßnahmen, deren Reparatur- bzw. Folgekosten, Einfluss auf mich und meine Gesundheit und Einfluss auf die Umwelt.

Im Duden wird Nachhaltigkeit so definiert:

(1) längere Zeit anhaltende Wirkung
(2)
a. forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann
b. Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann

Aus dem Lexikon der Nachhaltigkeit ergibt sich (in meinen Worten):

Nachhaltigkeit sollte als umweltbewusstes und wirtschaftliches Handeln verstanden werden, welches heute und morgen ein gutes Leben ermöglicht.

Nachhaltigkeit hat Einfluss auf den Umwelt- und Klimaschutz, den Tierschutz, unsere Gesundheit und unsere Lebensplanung.

Warum ist für mich erstrebenswert nachhaltig zu leben?

Natürlich rette ich alleine die Welt nicht und mein ökologischer Fußabdruck ist auch noch zu groß. Aber ich bin sicher, wenn wir alle kleine Anpassungen in unserem Alltag vornehmen und diese zur Normalität werden, können wir bereits viel erreichen. Wenn vielen Menschen ein Thema wichtig ist, wird es auch von Unternehmen und Politik aufgenommen. Dadurch entstehen neue Produkte und neue Regeln. Du willst selber politisch nicht aktiv sein, völlig okay, aber vielleicht unterschreibst du eine Petition zum Thema o. ä.

Ein häufiges Argument für Umwelt- und Klimaschutz ist, dass die Kinder und Kindeskinder einen Planeten haben, auf dem sie ein gutes Leben führen können. Dies kann eine starke intrinsische Motivation sein, für die eigene Familie will mensch nur das Beste. Ich selber habe keine Kinder und möchte auch keine bekommen. Ich würde auch nicht behauptet, ich denke beim Thema “nachhaltig leben” groß an die Kinder von Freund:innen. Jedenfalls ist dies nicht mein Fokus.

Vielmehr geht es mir um das große Ganze. Klingt jetzt etwas episch. Aber die Menschheit ist im Verhältnis zum Alter der Erde noch gar nicht so lange da. Runtergebrochen auf 24 Stunden gäbe es uns erst wenige Sekunden. Und wir sind gerade auf einem guten Weg in wenigen Sekunden die Entwicklung eines ganzen Tages auszulöschen. Warum?

Die Menschen sind erfinderisch. Wenn wir soviel erfinden konnten, was uns das Leben angenehmer macht, aber der Umwelt schadet, können wir dann nicht auch Produkte erfinden, die unser Leben angenehmer machen und dem Fleckchen Erde, auf dem wir leben, nicht schaden. Es gibt bereits die ersten grünen Start-ups, die versuchen Produkte ressourcenschonender herzustellen oder Lieferketten zu verändern.

Das ist jetzt wieder viel Ballast für die Schultern. Im Kleinen möchte ich damit sagen, mein Ziel ist es, einen Lebensweg/Mittelweg zu finden, der mir ein schönes Leben ermöglicht, aber der Umwelt nicht noch mehr schadet bzw. sie wieder verbessert. Deswegen versuche ich ein nachhaltiges Leben zu führen. Ich bin selber auch noch auf dem Weg und nehme euch auf diesem Weg gerne mit. Jede:r soll ihre:seine eigene Motivation für ein nachhaltiges Leben finden.

Veränderung statt Verzicht, Vorleben statt Vorschreiben

Dabei soll sich mein Leben nicht um Verzicht drehen, sondern ich möchte mein Leben langfristig (nachhaltig) verändern. Wo kann ich ansetzen, dass ein nachhaltiges Leben sich nicht nach Verzicht anfühlt. In meinem Beitrag 11 Tipps für ein nachhaltigeres Bad habe ich euch Alternativen gezeigt, die ich bereits nutze. Ich habe mein Konsum- und Einkaufsverhalten an dieser Stelle geändert, ich verzichte aber auf nichts.

Ich finde das Verbot von Einwegplastik gut, weil es die Unternehmen zwingt, sich schneller anzupassen. Grundsätzlich finde ich Vorbilder aber besser als Vorschriften. Dabei will ich nicht die Moralapostelin sein, sondern ich möchte andere mit meinen Verhalten zum Nachdenken bewegen. Vor allem bin ich ja selbst noch auf dem Weg und nicht am Ziel. Es gibt gute und schlechte Tage. Einfache und schwere Veränderungen. Nur nicht entmutigen lassen, sondern weiter machen.

Quellen

Definition: https://www.duden.de/rechtschreibung/Nachhaltigkeit, https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/definitionen_1382.htm
Verbot von Einwegplastik: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/einwegplastik-wird-verboten-1763390
Die Erde in 24 Stunden: https://www.planet-schule.de/wissenspool/experiment-verwandtschaft/inhalt/hintergrund/hintergrund-vom-einzeller-zum-wirbeltier/uhr-des-lebens.html
Grüne Start-ups: https://utopia.de/ratgeber/next-economy-award-2019-das-sind-die-finalisten/

Empfohlene Beiträge

Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünfzehn − sieben =