Buchbesprechung – Wohlstand ohne Wachstum

Ich habe in den letzten zwei Quartalsrückblicken bereits geschrieben, dass ich einige Bücher über alternativen Wirtschaftsmodelle lesen möchte. Wohlstand ohne Wachstum von Tim Jackson ist das zweite Buch aus dieser Kategorie. Zum ersten „Gemeinwohlökonomie“ steht die Rezi noch aus. 

Da ich „Wohlstand ohne Wachstum“ aus der Bücherei ausgeliehen habe, hat diese Rezi Vorrang. Die Ausleihfrist ist ausgereizt und maximal verlängert. Morgen muss ich zur Abgabe. 

Vermutlich werde ich die Rezi vor Veröffentlichung noch überarbeiten, sodass „morgen“ vor einigen Tagen war. 🙂

Kurzbeschreibung vom ecobookstore

„Als Tim Jacksons Buch »Wohlstand ohne Wachstum« vor sieben Jahren erstmals erschien, avancierte es schnell zum Standardwerk. »Unsere gesamte Wirtschaftsordnung baut auf ewigem Wachstum auf – aber nun brauchen wir einen anderen Motor«, lautete die kurze wie brisante Diagnose des renommierten britischen Ökonomen – und daran hat sich nichts geändert. Die Notwendigkeit umzusteuern ist dringlicher denn je, und so kommt die komplett überarbeitete Neuauflage der »Bibel der Wachstumskritik« gerade zur rechten Zeit.
Das Buch bietet eine fundierte Analyse der Auswirkungen der Finanzkrisen, legt den Fokus auf die ganze Welt und schildert die Herausforderungen und Chancen einer Postwachstumsgesellschaft, welche die öko-logischen Grenzen unseres Planeten nicht überschreitet und trotzdem in Wohlstand lebt.“

Meine Meinung

Ich glaube, mensch muss sich auf dieses Buch einlassen und ein bisschen was über wirtschaftliche Zusammenhänge wissen. An der ein oder anderen Stelle konnte ich nicht direkt folgen, bzw. musste die Hintergründe noch einmal nachlesen. 

In den ersten Kapiteln beschreibt der Autor die Probleme mit unserem aktuellen Wohlstandsstreben durch Wachstum und kann belegen, dass wir durch Wachstum nicht für alle Menschen Wohlstand erreichen können. Die Grenzen des BIP werden aufgezeigt und wie wir uns als Menschen, Gesellschaft und Staaten in die Normen des Wachstumsgedankens und Konsumismus hineingelebt haben, sodass es uns allen schwerfällt, neue Normen und Regeln für Wohlstand anzuerkennen. Der Klimawandel und die endlichen Ressourcen werden uns früher oder später zu einem Umdenken zwingen. Besser wäre es, jetzt anzufangen, bevor wir nur noch reagieren können.

Im Buch beschreibt der Autor das Dilemma der aktuellen Wohlstandsdefinition ganz passend:

Die soziale Stabilität ruht auf der wirtschaftlichen Stabilität. In einer wachstumsbasierten Wirtschaft ruht die wirtschaftliche Stabilität auf dem Wachstum. Die Regierung sieht sich also gezwungen, das Wirtschaftswachstum zu fördern, ganz einfach um die Stabilität zu erhalten.

Tim Jackson – Wohlstand ohne Wachstum Seite 275 f.

Fasst unsere aktuelle Krisensituation in Deutschland auch gut zusammen.

Auch auf die Hoffnung, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, geht er ein und kommt zur traurigen Schlussfolgerung. Theoretisch möglich, die technischen Voraussetzungen sind bereits da, aber durch das Ziel immer mehr Wachstum, immer Arbeitseffizienter zur produzieren etc., kommen wir nicht dahin. Sobald irgendwo etwas eingespart werden kann, wird wieder mehr produziert bzw. verbraucht. 

Auch nachhaltiger oder grüner Konsum wird dies nicht ändern. Über nachhaltigen Konsum habe ich auch schon einmal geschrieben, den Artikel findet du hier.

Daher braucht es eine neue Definition von Wohlstand. Weg vom Wachstumsgedankden (besser, höher, weiter) sollte Wohlstand an der

Qualität unseres Lebens und unserer Beziehungen, um die Widerstandsfähigkeit unserer Gemeinschaften und um unser Gefühl für individuelle und kollektive Sinngebung

Tim Jackson – Wohlstand ohne Wachstum Seite 32

gemessen werden.

Natürlich müssend die Grundbedürfnisse (Nahrung, ein Dach über dem Kopf etc.) erfüllt sein, um sich dann weniger materialistischen Dingen zuwenden zu können. Hier sollten reichere, entwickelte Staaten die ärmeren Staaten unterstützen. 

In späteren Kapiteln führt Tim Jackson in Wohlstand ohne Wachstum aus, dass unsere aktuelle Wohlstandsdefinition viel vom Materiellen abhängt. Aber materieller Reichtum kann nicht alle unsere Bedürfnisse erfüllen. Die meisten Menschen versuchen zwar über Materielles Anerkennung, Individualität, Zugehörigkeit, Glück im Allgemeinen zu erreichen. Viele haben aber schon festgestellt, der Reiz des Neuen verfliegt schnell und nur der nächste Kauf schafft ein neues Hochgefühl. 

Genau darum geht es bei der Neudefinition von Wohlstand, weg von materiellen Exzessen (Reichtum) hin zu den Möglichkeiten sich physisch, psychisch und sozial zu entwickeln. 

Für die Wirtschaft von morgen stellt der Autor vier Eckpfeiler vor: Unternehmen als Dienstleistung, Arbeit als Teilhabe, Investitionen als Zusage an die Zukunft und Geld als soziales Gut. Das Ziel ist eine Postwachtsums-Makroökonomie.

Auch wird das bekannte Dilemma, welches wir vom Klimaschutz bereits kennen, für eine Postwachstums-Ökonomie angesprochen. Wie weit reichen die Möglichkeiten des Einzelnen gegenüber Vorgaben durch den Staat, die Politik. Auch bei der Transformation des Wirtschaftens kann das Individuum in einem begrenzten Rahmen unter „Aushaltung“ des gesellschaftlichen Drucks anders handeln, aber es braucht gesamtgesellschaftliche Änderungen, ein anderes Regierungsmodell (nicht mehr die Ausrichtung auf wirtschaftliches Wachstum).

Eine Postwachstumsgesellschaft braucht Grenzen für die Nutzung von Ressourcen, Wege dem Konsumismus entgegenzutreten, muss die Ungleichheit in Angriff nehmen und das Wirtschaftsmodell reparieren. 

Die Eckpfeiler für die Wirtschaft von morgen und die Herausforderungen für eine Postwachstumsgesellschaft dienen im Buch als Anreiz / Inspiration. Denn einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht. Hier sind wir alle unsere Regierungen gefragt, wie der Weg genau aussehen kann. Anhand der genannten Bedingungen die Umsetzung anzugehen.

Fazit

Das Buch bietet viele Anreize und Vorschläge wie wir uns gesellschaftlich entwickeln können, um sozial gerecht und ökologisch nachhaltig zu sein, den Menschen neben Materiellem auch Gemeinschaft und Sinn zu geben. Gängige Wirtschaftsmodelle und unser Konsumwahn werden hinterfragt. Durch einen Wandel in der Gesellschaft ist weniger Konsum nicht gleich Verzicht, sondern andere Dinge rücken vermehrt in den Fokus und machen das Leben lebenswert.

Wohlstand ohne Wachstum ist ein komplexes Buch und ich werde es vermutlich irgendwann noch einmal ausleihen, wenn ich mehr Wissen in der Materie habe und Vergleiche mit anderen alternativen Modellen ziehen kann. 


Kennst du das Buch? Was hältst du von einer Postwachstumsgesellschaft?

Eckdaten zum Buch

TitelWohlstand ohne Wachstum – Das Update
Autor*innenTim Jackson
Übersetzer*inEva Leibbrand
Verlagoekom – Link ecobookstore, 2017
Seiten367
ISBN978-3865818409
Preis20,00 € Taschenbuch 15,99 € eBook

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