Hast du schon mal von Precycling gehört?

Begriffe wie Recycling, Downcycling oder Upcycling haben wir alle schon einmal gehört. Aber Precycling ist mir neulich das erste Mal in einer SWR Doku untergekommen. 

Abfallhierarchie

Im Kreislaufwirtschaftsgesetz gibt es die Abfallhierarchie, die besagt, dass die Abfallvermeidung die höchste Priorität hat. Gefolgt von Wiederverwendung und Recycling. Ziel des Gesetzes ist die Schonung von natürlichen Ressourcen und der Schutz von Mensch und Umwelt. 

Beim Precycling geht es darum möglichst gar nicht erst Abfälle entstehen zu lassen. Also Müllvermeidung, wo es nur geht. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollten möglichst Mehrwegsysteme verwendet werden. 

Realität

Als ich das erste Mal gehört habe, dass die Abfallvermeidung gesetzlich die höchste Priorität hat. Musste ich doch sehr schmunzeln. Ich meine, schau dir doch mal einen klassischen Supermarkt an. Wenn mensch reinkommt, gibt es noch relativ unverpackt zu. Die Umverpackungen von Obst und Gemüse werden weniger. Aber danach, im Kühlregal stehen Plastikbecher neben Plastikbecher bzw. andere Plastikverpackungen, manchmal findet sich da noch ein (Pfand-)Glas. 

Bei Brot, Kuchen, Kekse kommen die nächsten Verpackungen. Aufstriche und Konserven zum Teil im Glas bzw. Dosen. Von Reinigungsmittel und Süßigkeiten müssen wir doch gar nicht reden. 

Und ich meine, dass ist nur das was wir sehen. Häufig werden die Produkte doch in Sammelkartons angeliefert und dann einzeln ins Regal gestellt. Viele Paletten bzw. Rollwagen werden zum Schutz gegen herunterfallende Kartons mit Folie umwickelt. 

Laut Umweltbundesamt sind 2017 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland angefallen. Das 226,5 kg Verpackungsmüll pro Jahr und Kopf. Allein auf uns als private Endkonsument:innen entfallen davon 47% ca. 106,5kg. Wenn ich da so an Plastikverpackungen denken, die relativ leicht sind, ist das ein riesiger Müllberg pro Person. 

Womit werden die ganzen Verpackungen begründet? Ich fürchte, hier lässt das Verpackungsgesetz ein wenig Spielraum. Dort heißt es: „Verpackungsvolumen und -masse auf das Mindestmaß begrenzt werden, das zur Gewährleistung der erforderlichen Sicherheit und Hygiene der zu verpackenden Ware und zu deren Akzeptanz durch den Verbraucher angemessen ist.“ Hintertür gefunden. Wer genau nachlesen möchte findet dies in § 4 des Gesetzes. 

Ich meine, wer legt den fest, was bzgl. Sicherheit und Hygiene wirklich notwendig ist. Mein Lieblingsbeispiel für unnötige Verpackung, die einzelne Zahnpastatube wird zusätzlich im Karton verpackt. Wegen der Hygiene bestimmt nicht, ich glaube sicherer wird die Verpackung dadurch auch nicht. Vom Runterfallen geht die Tube meist nicht kaputt. Andere Frage, was ist mit Akzeptanz der Verbraucher:innen gemeint. Müssen wir auch unsere eigenen Gewohnheiten überdenken? Aber okay, ich schweife ab. Heute soll es um Precycling gehen.

Precycling 

Precycling umfasst also die Vermeidung und Wiederverwendung von Verpackungsmüll. 

Durch Vermeidung von Verpackungsmüll sparen wir Ressourcen ein, verbrauchen keine Energie für die Herstellung und das Recyceln. Wenn weniger Müll entsteht, können wir kleinere Abfalltonnen nutzen oder die Müllabfuhr fährt seltener raus. Wir brauchen weniger Mülltüten, usw. Ein paar Tipps, wie ich meinen Alltag plastikfreier gestalte, findest du hier

Unter die Wiederverwendung fällt neben den Mehrwegsystem auch das Upcycling. Ein Bespiel fürs Upycyling von Getränkekartons gibt es auch von mir. Mehrwegsysteme kenne wir heute schon einige, sei des der Pfandbecher für den Coffee to go oder wiederverwendbare Versandtaschen. Ab 2023 soll die Gastronomie neben dem Einweg-Verpackungen, auch anbieten das Essen in Mehrwegverpackungen mitzunehmen. Leider gilt dies nur für Gastronomie mit mehr als 6 Beschäftigten und einer Ladenfläche von mind. 80 qm. Aber es ist ein Anfang. Hoffentlich wird es von Vielen genutzt. 

Kurz zum Downcycling. Dies ist letztlich ein Bestandteil des Recyclings. Plastikverpackungen von Lebensmitteln werden zwar recycelt dürfen in der Regel, danach aber nicht mehr für Lebensmittel verwendet werden (aus hygienischen Gründen) und werden dann Umverpackungen von anderen Produkten. Somit brauchen wir für Lebensmittel jedes Mal neues Plastik. Oder auch recyceltes Toilettenpapier. Dies wird zwar aus Altpapier hergestellt, aber nachdem es durch den Abfluss geht, wird es nicht wieder verwendet. Vielleicht kommt es in die energetische Verwendung oder wird einfach so beseitigt. 

Forschung

Eine Forschungsgruppe der TU Berlin und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH arbeitet an dem Forschungsprojekt „PuR – Mit Precycling zu mehr Ressourceneffizienz. Systemische Lösungen der Verpackungsvermeidung“. Die Forschungsthemen sind vielfältig. Von Konsummuster beim Außer-Haus-Verzehr, ökonomische Anreizstrukturen, Nachhaltigkeitsbewertung über den gesamten Lebenszyklus (auch von Verpackungen) als auch das häusliche Verpackungsverhalten werden untersucht. Es geht auch um die politischen Instrumente wie Steuern, Ge- und Verbote, Anreizeffekte und freiwillige Selbstverpflichtung. 

Hast du schon mal von Precycling gehört? Kennst du weitere tolle Upcycling-Ideen?

Quellen

https://www.gesetze-im-internet.de/krwg/index.html#BJNR021210012BJNE000701116
https://www.gesetze-im-internet.de/verpackg/index.html#BJNR223410017BJNE000401116
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/verpackungsverbrauch-im-jahr-2017-weiter-gestiegen
https://pur-precycling.de
https://www.oekotest.de/essen-trinken/Neues-Verpackungsgesetz-Restaurants-werden-zu-Mehrweg-Take-away-verpflichtet-_11680_1.html

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